Jungbach

Der 34-Jährige Objektdesigner mit ästhetischem Auge arbeitet mit «echten und möglichst reinen» Materialien wie Metall, Stein, Glas, Leder oder Holz. In seinen Arbeiten versucht er das Bewusstsein und die Wertvorstellung gegenüber Material und Gegenstand zu vermitteln und das Handwerk in die Neuzeit zu transformieren.

Vom 5. September bis 11. November 2017 erschuf Jungbach im Domus Studio diverse Salontische und das Sideboard «PIGMENTA». Unsere Besucher konnten den gesamten Prozess, von der Skizze bis zur Fertigstellung, im Studio oder auf unserer Website mitverfolgen.

Firmenname / Künstlername: Jungbach
Vorname / Name: Lui
Tätigkeit: Entwurf und Design. Konstruktive Planung sowie Umsetzung von Objekten.
Werdegang: geboren und lebhaft in der Ostschweiz.
Alter: 34 Jahre
Wohnort: St.Gallen
Website: www.jungbach.ch

Seine Werke

Fragebogen

Als ich drei Jahre alt war, habe ich um Spaghetti aufdrehen zu können eine „Drehhilfe“ an meinen Tellerrand gesteckt bekommen. Das Teil war schlicht und für einen kleinen Menschen einfach zu bedienen, in seiner Form und Funktion somit perfekt. Optisch allerdings kein wirklich schönes Teil. Heute habe ich den Anspruch gewonnen, dass die Objekte zusätzlich eine ästhetische Aufgabe übernehmen dürfen. Die Dinge, die wir zum Leben an unsere Seite nehmen, sollen neben der reinen Funktion auch unser Auge entzücken. Ich finde sogar, wir dürfen uns auch in sie verlieben und uns in Wertschätzung üben.

Manchmal beginnt eine Idee draussen, oder drinnen, manchmal in der Werkstatt, oder im Atelier, manchmal im Sitzen, oder im Stehen. In meinem Atelier gibt es drei Arbeitsstationen und ich bin immer ein wenig in Bewegung, die wechselnde Optik hilft neue und breitere Ansichten zu gewinnen. Meine Arbeitsplätze stehen somit im Wandel des Projektes und passen sich auch jeweils diesem an.

Ich habe immer einen sogenannten anständigen Beruf parallel zu der Entwicklung meines Schaffens ausgeübt. Mir ist es wichtig am reellen Markt mit praktischen Objekten Erfahrungen zu sammeln. Sich in einer Theorie zu verlieren oder Material und Zeit für Objekte in Anspruch zu nehmen, welches dann keinem Gebrauch dient, empfinde ich als Verschwendung und sinnlos. Ich bin zu begeistert von der Realität.

Je reiner ein Material, desto fertiger ist seine Beschaffenheit. Deshalb ist es mir sehr wichtig mit echten und möglichst reinen Materialien zu arbeiten. Materialien, die in ihrer Grundsubstanz und in ihrer Natürlichkeit auf unserem Planeten vorkommen und für unseren Gebrauch funktionieren, wie z.B. Metall, Stein, Glas, Leder oder Holz. Der Mensch fühlt sich in dieser Reinheit wohl, da er selbst aus Knochen, Fleisch und Blut besteht.

Mit der Gesamtheit der Dinge. Interdisziplinär zu denken und vorzugehen hilft mir, diese Gesamtheit zu deuten. Wenn es uns gelingt die Gesamtheit zu betrachten, gelingt es uns Zusammenhänge zu verstehen und nicht nur einzelne, abgeschottete Bereiche zu erkennen. Die Welt wurde in der letzten Zeit so stark in Spezialfelder aufgeteilt, und die Menschen in den Spezialfeldern erscheinen als Profi. Die dadurch gewonnen Erkenntnisse in einen Zusammenhang mit allen Spezialgebieten zu bringen wurde jedoch etwas vernachlässigt. Je mehr Knotenpunkte in diesem Netz gestrickt werden können, desto konkreter und vollkommener erscheinen die Lösungen daraus. Die Welt wird durch ihren hohen Informationszugang immer komplexer und somit ist es auch essentiell, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Wenn er noch leben würde, mit dem Architekten und Visionär Richard Buckminster Fuller. Seine Herangehens- und Denkweise hat mich im Elementaren stets begleitet wie fasziniert. Wie er mit einfachsten geometrischen Grundkörpern extrem stabile Formen mit geringstem Materialaufwand realisierte, löst bei mir eine gewisse Logik aus. Wie er das Wirken einer Natur deutete und die vorhandenen Synergien nutzte, darf uns in der heutigen Zeit noch ein stärkeres Vorbild sein.

Eine grosse Passion ist, zu beobachten oder zu erkennen, zu was die Natur in der Lage ist. Etwas vom Grössten hierbei ist die Anpassungsfähigkeit der Natur im Bezug zur Wandlung der Erde. Die Natur hat stets aus Missständen neue Lösungen hervorgebracht, niemals aus Sicherheit. Diese Kraft und Vielfalt fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Alle Gegenstände die ohne Betriebsanleitung auskommen. Objekte, die ihre Funktion durch ihre Form erklären und definieren. Gutes Design löst etwas in uns aus und wir können uns damit identifizieren; geschieht dies in einer Mehrheit spricht man folglich von einem guten Design, da geht es dann um viel mehr als um eine blosse Funktion.

Grundsätzlich nerve ich mich über keine Zustände, da sie sich dadurch ja auch nicht ändern. Alles hat seinen Grund und seine Geschichte zu was sich etwas entwickelt hat. Würde die Ostschweiz am Meer liegen oder hätte sie einen ausgeprägten internationalen Austausch, wäre sie bestimmt gesinnter gegenüber Fremdem wie Neuem. Wie alles unterliegt auch dies einem stetigen Wandel und verdient es, jeden Tag neu betrachtet zu werden.

Diese Trennung löst sich in meiner idealen Vorstellung auf. Meine Objekte sind Resultat eines gesamten Fühlens und Denkens, der Prozess der Entstehung ist das vereinen aller Bereiche. Der Entwurf kann überall entstehen, die Konstruktion ist an ein Gerät gebunden und die Umsetzung an eine Werkstatt.
Ich denke es geht hierbei um ein Interesse, um einen Glauben an etwas, um ein Ideal, welche eine Trennung von Arbeit und Privatem nicht weiter zulässt.

Ich versuche mit Jungbach das Bewusstsein und die Wertvorstellung gegenüber Material und Gegenstand zu gewinnen und zu vermitteln. Denn Wertebewusstsein schafft Liebe und Respekt zu den Dingen, mit denen wir uns umgeben. Als einen weiteren Versuch sehe ich das Handwerk in die Neuzeit zu transformieren. So, dass der Entwurf, die konstruktive Planung und die Umsetzung aus einer Hand kommen. Das macht jedes Objekt sehr konkret und lässt seine Geschichte lückenlos nachvollziehen.

Über Geschmack lässt sich ausnahmslos immer streiten, da die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, jedoch darf über Qualität diskutiert werden.

Oder wie Augustinus Aurelius einst sagte: „Schönheit ist der Glanz des Wahren.“ Und für jeden von uns erscheint die Wahrheit in einer eigenen Form. In der heutigen Zeit sollten wir anerkennen, dass es ganz viele unterschiedliche Meinungen, Bedürfnisse und Geschmäcker gleichzeitig nebeneinander geben kann.