Haus Walz – Ehrwürdig wie eine Bibliothek

Das «Haus Walz» stammt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und ist eines der ersten Eisenbetonhäuser der Altstadt St. Gallens. Bei der Renovation galt es, eine Verbindung zwischen Historischem und zeitlos moderner Innenarchitektur zu schaffen. Daniel Gmünder hat die Wohnung im ehemaligen Geschäftshaus eines Optikers in ihren «ursprünglichen» Zustand zurückverwandelt.

Daniel Gmünder

Daniel Gmünder
Innenarchitekt

Angenommen du bist zum Abendessen eingeladen, kannst du das Essen überhaupt geniessen oder wirst du zu deiner Meinung zur Wohnung gefragt?
Absolut! Ich kann die Brille des Innenarchitekten gut ablegen und werde meist nur am Rande nach meiner Einschätzung gefragt. Wenn allerdings, dann ergibt sich sehr oft im Nachhinein ein Termin für ein Beratungsgespräch.

Die Wohnung an der Multergasse liegt im Herzen von St. Gallen, wie gross ist der Einfluss der Lage auf die Innenarchitektur?
Das «Haus Walz» stammt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und ist eines der ersten Eisenbetonhäuser in der Altstadt. Nirgends hin öffnet sich Fernsicht, deshalb schloss man sich ursprünglich vom Einblick der Nachbarhäuser her durch Butzenscheiben aus Antikglas ab. Das Haus war ehemalig ein Geschäftshaus eines Optikers. Im dritten und vierten Geschoss war die Wohnung des Hausherrn. Noch heute ist das Wohnzimmer mit Balkendecke im Urzustand erhalten geblieben.

Wie schafft man es, alte Gebäude zu modernisieren und trotzdem den Charme beizubehalten?
Grundsätzlich gilt es, die ursprüngliche Architektur zu studieren und zu respektieren. Dabei gilt es, ein Nebeneinander von Historischem und zeitlos moderner Innenarchitektur zu schaffen. «Bausünden», wie beispielsweise das Cheminée aus den Achtzigerjahren, wurden rückgebaut.

Gibt es Trends, die auch in einen Altbau gehören oder enden diese immer als «Bausünde»?
Ich mag den Begriff «Trend» nicht gerne; umsichtiges Umbauen im historischen Umfeld sollte sich nicht von Trends beeinflussen lassen. Selbstverständlich setze ich aber alle aktuellen Mittel ein, um zeitgemäss zu gestalten.

Welche innenarchitektonischen Eingriffe wurden umgesetzt?
Die beiden Nasszellen wie auch die Küche wurden gänzlich neu geplant und eingebaut. Sämtliche ursprüngliche Innenausbauten in Nussbaum (Schränke und Fensterverkleidungen) wurden von einem Spezialisten restauriert. Die ganze Wohnung wurde mit Farbtönen des englischen Herstellers Farrow & Ball gestrichen. Die alten Parkettböden im Zimmer des Herrn wurden ergänzt und restauriert.

Die Bewohner wünschen immer mehr Komfort und Technologie in ihrer Wohnung. Ist das für dich eine besondere Herausforderung, gerade bei Altbauten?
Im Allgemeinen lassen sich auch bei Renovationen alle zeitgemässen Wünsche umsetzen. Beim Umbauen braucht es situativ allerdings immer wieder konstruktive Lösungen für geänderte Situationen.

Unterscheidet sich deine Vorgehensweise bei Privatwohnungen gegenüber einem Firmensitz?
Kaum. Es gilt zuerst ein intensives Studium aller Gegebenheiten zu machen (Lage, Architektur, Ist-Zustand). Danach soll eine ausführliche Bedarfsermittlung zusammen mit der Bauherrschaft die Anforderungen an das Projekt definieren. Nicht zuletzt gilt es den Budgetrahmen festzulegen.

Gibt es ein Projekt oder ein Gebäude, das du gerne mitgestalten würdest?
Sehr gerne würde ich eine alte Mühle oder ein Stickereilokal in einen Wohnraum umbauen. Spannend dabei ist die Umnutzung, die grössere Freiheiten in der Gestaltung bietet. Und natürlich die Herausforderung, einen sehr kleinen Raum einer Mühle oder sehr grosszügigen Raum eines Stickereilokals in harmonische Wohnräume zu verwandeln.

Vor der Renovation …

… und danach

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