Im Domus Studio mit Marc Künzle und Nils Holger Moormann

Im Domus Studio, einem Ort der Begegnung, erklärt uns Domus-Dirigent Marc Künzle die Philosophie des Unternehmens. Und mit ihm haben wir auch gleich noch Nils Holger Moormann auf einen «Schwatz» getroffen.

Ein Ort der Begegnungen zu sein, ist eigentlich Kneipen und Bars vorenthalten, wieso wollt ihr als Inneneinrichter hier mitmischen?
Wir wollen nicht mit diesen Orten konkurrieren, aber wir sind der Ansicht, dass es auch bei einem Einrichter heute nicht nur um den Einrichtungsgegenstand an sich geht, sondern um viel mehr. Wir wollen ein Einkaufserlebnis schaffen, welches man gerne auch mit anderen teilt. Domus Studio ist ein Ort, wo man sich begegnet, für alle Sinne Geschichten erzählt bekommt und diese gerne mit nach Hause nimmt und lange Zeit weitererzählt. Mit uns zusammen erlebt man immer wieder Überraschendes, Neues, Schräges, Lehrreiches – und dies ganz bestimmt mit bleibendem Eindruck!

Nach welchen Kriterien wählt ihr das Sortiment für das Domus Studio aus?
Produkte müssen mehr als nur Produkte sein. Wir glauben, in einer Welt, in der in unserem Tätigkeitsgebiet weder ein Stuhl noch ein Tisch oder ein Sofa neu erfunden werden kann, braucht es die Differenzierung über die Geschichte. Diese geben dem Produkt eine persönliche Note und eine Identität. Genau das wollen wir dann bei uns spür- und erlebbar machen, sodass unsere Kunden die Geschichte zu Hause weiterleben können.

«Mit uns zusammen erlebt man immer wieder Überraschendes, Neues, Schräges, Lehrreiches – und dies ganz bestimmt mit bleibendem Eindruck!»
«Wer sich gerne auch mal von etwas Kuriosem inspirieren lässt und Produkte mit einer Geschichte und Werten sucht, der darf einen Besuch im Domus Studio nicht auslassen.»

In der Vergangenheit gab es bereits einige Projekte im Studio – unter anderem Domus Talents oder SPIELRAUM. Was ist der Hintergrund dieser beiden Konzepte?
Auf der einen Seite geht es darum, einen anderen Blickwinkel auf unsere tägliche Arbeit aufzuzeigen und auf der anderen Seite wollen wir auch jungen, lokalen Designern eine Plattform bieten, um ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können. Mit solchen Projekten wollen wir Geschichten schreiben, Geschichten die man sich gerne erzählt und mit denen man sich persönlich identifizieren kann.

Wer ist deiner Meinung nach genau richtig im Domus Studio?
Wer neugierig ist, sich gerne auch mal von etwas Kuriosem inspirieren lässt, Produkte mit einer Geschichte und Werten sucht, gerne Abwechslung hat, auf der Suche nach etwas ganz Individuellem ist oder einfach ein spezielles Accessoire für sich oder als Geschenk sucht, der darf einen Besuch im Domus Studio nicht auslassen.

Du sitzt auf dem Bild auf einem Tisch von Nils Holger Moormann, ein spezieller Designer für dich?
Definitiv! Nils ist meiner Meinung nach ein Unikat in unserer Branche. Er verkörpert seine Kollektion bzw. jedes einzelne Produkt von A bis Z. Dies beginnt bereits bei der Entwicklung eines neuen Produktes und zieht sich bis zur Marktlancierung und darüber hinaus.

Hast du einige Beispiele von Nils Holger Moormann, die dich faszinieren? Wir wollen mehr wissen.
Über Nils könnte man wohl Bücher schreiben. Ein solch gefragter und geschätzter Mann ist viel unterwegs. Nils bevorzugt es mit einem Bus zu reisen. Und auch dieser sollte seinem Anspruch an Einfachheit, Funktionalität und ästhetischem Aussehen entsprechen. Deshalb hat er kurzerhand den gesamten Innenausbau selber entworfen und ausführen lassen. Die Optik ist das eine, die Haltung das Andere. So hat er auch schon einige Händler mit dem Bus vor Ort besucht und diesen gleich zum Restaurant umfunktioniert. Der Butler vor dem Eingang hat eben so wenig gefehlt wie das weisse Tischtuch. Und ganz sympathisch nennt er seinen Bus dann auch «Moormanns Holzklasse».

Und dann gibt es da auch noch sein Gästehaus «berge» oder wie es auch schon benannt wurde: Tempel des No-Schnickschnack. Genau darum geht es bei Nils im Allgemeinen. Und bei diesem Gästehaus. Es ist ein Ort, an dem man nicht von inszenierten Räumlichkeiten geblendet wird. Nein, es ist ein Ort, an dem man die Gegensätze von historischer Substanz und modernem, reduziertem Design erleben kann. Dies zudem in einer Gegend, welche genau dasselbe verkörpert. Naturerlebnisse, Handwerk und Geschichte zeichnet diese Region aus. Also eben alles ehrliche Werte, die in der heutigen Welt viel zu wenig Platz haben.

«Ganz sympathisch nennt Nils seinen Bus „Moormanns Holzklasse“.»

Nils Holger Moormann ist Möbelmacher seit 1982. Ebenso Freigeist. Unternehmer. Und selbst Designer. Er steht für ehrliche Materialien und Produkte mit Wert. Dabei nimmt er sich selbst manchmal gar nicht so ernst. Er war bei uns im Domus Studio zu Besuch und hat ein paar unserer brennendsten Fragen beantwortet.

Du warst ja nun doch schon ein paar Mal im Domus Studio zu Besuch – scheint, als würdest du dich hier wohlfühlen?
Ja, so ist es. Ist einfach ein gutes Spannungsfeld: Historisches Gebäude in Kombination mit modernem Möbeldesign. Dazu wunderbarer Adrenalin-Ausstoß, ob die Politesse mich diesmal beim Falschparken erwischt oder nicht.

Wenn das Domus Studio deines wäre, was würdest du gleich als erstes darin anstellen?
Sprengen und so ähnlich wiederaufbauen. Marc und sein Team machen das schon richtig!

«Als echter Buchmaniac habe ich auch nach so vielen Jahren noch eine heftige Liebe zum FNP Regal.»

Du bist ja bekanntlich offen für vieles. Gibt es etwas, das bei einem Entwurf so gar nicht geht?
Ja, wenn bei allem lustvollen Tun die Aspekte Langlebigkeit und Materialökologie am Ende auf der Strecke bleiben. Dann hat der Spaß ein Loch.

Egal ob «Seiltänzer», «Siebenschläfer» oder das legendäre «FNP», all eure Produkte haben Charakter. Hand aufs Herz – hast du einen persönlichen Liebling?
Ja. Als echter Buchmaniac auch nach so vielen Jahren noch eine heftige Liebe zum FNP Regal.

Ihr habt auch Produkte in eurer Kollektion, die kommerziell nicht so erfolgreich sind, wie sie es aus Sicht der Finanzabteilung sein sollten. Trotzdem hältst du an ihnen fest, warum?
Klingt überheblich, aber zum einen gehört es einfach zu unserer Firmenkultur, Produkte auch gegen wirtschaftliche Interessen in der Kollektion zu halten, wenn wir sie wichtig finden. Zum anderen hasse ich es, unsere Lieblinge allzu früh ins Archiv zu verbannen. Manches reift dann doch mit der Zeit.

Eure Möbelstücke werden ganz in eurer Nähe hergestellt. Was bedeutet dir dieser lokale Bezug?
Für uns ein ganz zentraler Aspekt, der neben wichtigen ökologischen und ökonomischen Aspekten der kurzen Wege auch einen unglaublich direkten Draht zu unseren Vorlieferanten darstellt. Wir haben all ihr Wissen und ihre Handwerksehre bei Herausforderungen unmittelbar vor der Türe und Nutzern das leidenschaftlich quasi als verlängerte Werkbank.

Mit seiner Philosophie setzen Marc und Domus auf ähnliche Werte, wie du auch. Siehst du ebenso Gemeinsamkeiten?
Wir alle leben vom Möbelverkauf und am Ende des Tages braucht es schwarze Zahlen. Aber der Weg dorthin, ist vielfältig. Mit Marc fühle ich mich sehr verbunden, da er ein wirklicher leidenschaftlicher Unruhegeist ist und mit der nötigen Prise Selbstironie Wind in unsere manchmal allzu selbstgefällige Möbelwelt bläst.

Selbst sagst du von dir, dass du dich manchmal gar nicht so ernst nimmst. Warum?
Das hilft und ist absolut nötig, um spielerisch und eben produkt- und nicht ertragsverliebt Möbel zu entwickeln. Ernst wird’s ja eh von allein.

Alleine die Namen eurer Möbelstücke sagen schon einiges aus. Da wären «So oder so», «Liesmichl», «La Funsel» oder «Abgemahnt» – um nur einige zu nennen. Stammen diese aus deiner eigenen Kreation?
Nicht immer. Es gibt oftmals leidenschaftliche Wettbewerbe im Haus, bis ein Möbel seinen endgültigen Namen gefunden hat. Für uns sind diese Namen wichtig, denn nach langer Entwicklung sind unsere Möbel für uns so etwas wie kleine Persönlichkeiten. Denen gibt man lieber einen Namen als eine Nummer.

«Es gibt oftmals leidenschaftliche Wettbewerbe im Haus, bis ein Möbel seinen endgültigen Namen gefunden hat.»
«Uns reizt es gerade sehr, ruppiger, fordernder zu werden. Auf euch kommt eine Vielzahl neuer Moormann-Produkte zu – kleine und größere.»

Nils Holger Moormann 2040: Wagst du einen Blick in die Zukunft?
Es wird Zeit für eine kräftige Revolution! Wir müssen und wir werden Neues wagen, sonst verkommt unsere so heiß geliebte Branche zu einer reinen Konsumgüterbefriedigung und Zahlen und Größe sind wichtiger als Inhalt und Charme.

Magst du uns verraten, auf was wir uns als nächstes aus dem Hause Moormann freuen dürfen?
Uns reizt es gerade sehr, ruppiger, fordernder zu werden. Vielleicht geht das ein wenig weg von allzu viel Verkäuflichkeit und wieder hin zu einer Auseinandersetzung mit Möbeldesign. Auf euch kommt eine Vielzahl neuer Moormann-Produkte zu – kleine und größere. Dafür braucht es echte Fans, die unser Tun kritisch begleiten und neugierig bleiben.



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